Discussion:
Werdet Mitglied in der OSM Foundation!
(too old to reply)
Michael Reichert
2018-10-30 21:32:07 UTC
Permalink
Crossposting zu https://forum.openstreetmap.org/viewtopic.php?id=64288

TL;DR Bitte werdet Mitglied in der OSM Foundation, bevor die OSM
Foundation von einer BeschÃŒtzungs- und Rechtehaltungsorganisation fÃŒr
OSM zu einer Interessenvertretung amerikanischer Firmen und HOT wird. Am
Ende der Mail steht, wie man Mitglied wird. Es kostet 15 Britische Pfund
und ist kein Abo.


Liebe Mitmapper/innen und OSM-Interessierte,

ich bin seit sieben Jahren bei OSM aktiv und seit zwei Jahren
OSMF-Mitglied, weil ich mitbestimmen möchte, was mit dem passiert, in
das ich viel Zeit gesteckt habe. Da sich die gelebte Praxis in der OSMF
jedoch immer mehr von meinen Vorstellungen als Craftmapper entfernt,
möchte ich euch bitten, ebenfalls Mitglied in der Foundation zu werden
und dafÃŒr zu sorgen, dass die Interessen der Craftmapper ausreichend
stark vertreten sind.

Die OSMF gerÀt immer mehr in den Einfluss kommerzieller,
US-amerikanischer Interessen. Von den sieben VorstÀnden stehen vier dem
US-amerikanischen Big Business nahe und ein FÃŒnfter, mein Vorgesetzter,
verdient auch sein Geld mit OSM [1]. Zwar kommen knapp 40 Prozent der
Mitglieder aus den USA und Kanada, 48 Prozent aus Europa, wovon aber
mancher amerikanische/kommerzielle Interessen vertritt bzw. fÃŒr sie
eintritt. Dieses VerhÀltnis entspricht aber nicht dem VerhÀltnis der
BeitrÀge zu OSM. [2]

Die Interessen dieser Gruppen an Amerikanern weichen in vielen
grundsÀtzlichen Fragen deutlich von den Interessen der freiwilligen
(v.a. in Europa ansÀssigen) Craftmapper ab, die OSM aufgebaut und groß
gemacht haben, ab. Die Amerikaner, die sich intensiv in der OSMF
engagieren, sind auf Seiten US-amerikanischer Firmen und HOT US Inc.

Dank der MitgliedsbeitrÀge der Firmenmitgliedschaften brauchen wir zwar
keine jÀhrlichen Spendenaufrufe mehr, machen uns aber abhÀngig. Aufgrund
dieser NÀhe zu Firmen mangelt es der OSMF und ihrem Vorstand an der
nötigen Distanz im Umgang mit diesen Firmen. Daher sollten wenigstens
die Mitglieder als Korrektiv agieren können und schlechte BeschlÌsse
wÀhrend der Diskussion im Vorfeld deutlich und mehrstimmig kritisieren
und, falls es soweit kommt, bei einem Mitgliederentscheid ablehnen können.

Die Dominanz bringt u.a. folgende Probleme mit sich:

(1) Ich mache mit, weil ich die Sache gut finde und etwas zurÃŒckgeben
möchte. Den Unternehmen geht es um ihr GeschÀft – das liegt ja in ihrer
Natur. Sie sehen in OSM eine Datenbank, in die man seine Daten kippen
kann, weniger eine Community, die eine Datenbank pflegt. Bots bzw.
automatische Datenerfassung im Allgemeinen ist fÃŒr diese Firmen das
heiße Ding. Leider sind viele Firmen zu Beginn mit QualitÀtsmÀngeln
aufgefallen. Qualitativ gutes Mapping wird erst geleistet, wenn Druck
gemacht wird und Sperren drohen.

Der Vorstand hat vor gut einem Jahr die Data Working Group beauftragt,
eine Richtlinie dafÃŒr auszuarbeiten. Die DWG hat dazu im Herbst letzten
Jahres eine Community-Umfrage durchgefÃŒhrt und basierend auf den
Ergebnissen einen Richtlinienentwurf verfasst. Dieser wurde
anschließend auf der Mailingliste OSMF-Talk von einem Chor an
HOT-Aktivisten und Vertretern amerikanischer GeschÀftsinteressen,
kaputtkritisiert. HOT wÀre von der Richtlinie nÀmlich auch betroffen.
Das Archiv der HOT-Mailingliste ist reich an Beschwerden ÃŒber
qualitative MÀngel von HOT-Mappingaktionen. [3]

Anstatt der DWG den RÌcken zu stÀrken, hat der Vorstand nichts getan.
Ein neuen Entwurf der DWG liegt mittlerweile vor. Es ist nur noch
Empfehlung. Keine seiner Regel ist verbindlich und stellt Interessen der
Firmen ÃŒber die Interessen der freiwilligen Craftmapper. Ob selbst
dieser weichgespÃŒlte Entwurf vom Vorstand beschlossen wird, ist fraglich!

Die RichtlinienentwÃŒrfe (einschließlich der deutschen Übersetzungen) und
die Umfrage sind unter
[url]https://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:Directed_Editing_Policy[/url]
verlinkt.


(2) Die zu große NÀhe zu Firmen fÃŒhrt dazu, dass Firmen Rechte
eingerÀumt werdern, die sie nicht haben sollten. Wenn eine Firma gewisse
Dinge Ìber ihre MappingaktivitÀt geheim halten möchte, wird ihr das
gestattet. Apple durfte auf der letzten State of the Map in Mailand
einen Vortrag halten, der nicht aufgezeichnet wurde.

Wer Firmen, die OSM nutzen oder gar selber mappen (lassen), kritisiert,
wird fÃŒr die Kritik kritisiert, selbst wenn ihre Nutzung oder ihre
BeitrÀge fÌr OSM kein Gewinn sind, z.B. eine Vearmung der
Software-Vielfalt, Aufmerksamkeits-Trittbrettfahrer, kontroverse
Datenimporte. (Beispiel siehe [4])


(3) Es ist im Sinne der Firmen, mit einer OSMF zu interagieren, die
"professionell" ist. Was der Chef sagt, wird gemacht. OSM ist zum GlÃŒck
noch weit davon entfernt. Wenn aber oft genug genÃŒgend viele Leute ohne
großen Widerspruch "OSM sollte (einen) FÃŒhrer haben" rufen, glauben das
irgendwann auch alle – v.a. die Außenstehenden.

Eine professionelle OSMF macht zwar Mappingvorschriften, was mancher von
euch begrÌßen wÃŒrde, aber sie nimmt der Basis die Freiheit, Nein zu
sagen. Wenn Vorschriften gemacht werden, sollte das von der Basis
ausgehen (also Àhnlich wie Frederiks Vorschlag neulich bzgl. des
Verklebens von FlÀchen) [5].

Der Einsatz hauptamtlicher (bezahlter) ArbeitskrÀfte anstelle
Freiwilliger fÃŒr die Aufgaben in der OSMF muss nicht per se schlecht
sein. Mit bezahlten KrÀften kann man mehr erreichen, beispielsweise eine
aktivere Öffentlichkeitsarbeit. Das kann aber auch nach hinten losgehen
und dazu fÃŒhren, dass Craftmapping verschwiegen bzw. als veraltet
dargestellt wird und die Öffentlichkeitsarbeit bloß noch humanitÀres
Mapping erwÀhnt, weil sich das besser verkauft.

Das Einstellen weiterer ArbeitskrÀfte ist absehbar. Der Vorstand, der
derzeit durch UntÀtigkeit auffÀllt, wird das von ihm entworfene
Fördermittelprogramm nicht in seiner Freizeit verwalten können und dafÌr
jemanden bezahlen.


(4) Die kommerziell motivierten Amerikaner und AnhÀnger des
HOT-Projekts streben danach, im OpenStreetMap-Projekt einen Code of
Conduct fÃŒr die digitale Kommunikation im Projekt einzufÃŒhren. Ich
denke, dass Verhaltensregeln im Grunde kein Teufelszeug sind. Die
Mailinglisten-, Wiki- und Forenmoderatoren sowie die DWG wenden jetzt
schon Regeln an, nur sind diese nicht schriftlich fixiert. [6]

Ein Code of Conduct wird von seinen BefÃŒrwortern dogmatisch verteidigt.
Es sei heutzutage ÃŒblich, einen zu haben. Ein amerikanischer
Code-of-Conduct-BefÃŒrworter schrieb letztes Jahr auf der Mailingliste
OSMF-Talk, dass er Frauen abrate, in der Stadt, in der er wohne, den
OSM-Stammtisch zu besuchen. Dieser Stammtisch habe keinen Code of
Conduct habe und sie seien dort deshalb nicht. [7] Ich habe die
Diskussion ÃŒber einen Code of Conduct, die im November/Dezember 2018
stattfand, unter
[url]https://blog.openstreetmap.de/blog/2017/12/die-code-of-conduct-diskussion/[/url]
zusammengefasst. Momentan ruht die Sache, denn es mangelt noch an einer
deutlichen Mehrheit im Vorstand.

Viele Projekte verwenden auf vorgefertigte Code of Conducts. Manche
davon schreiben vor, dass Kritik nur "professionell" (lies: entsprechend
der Gepflogenheiten des US-amerikanischen GeschÀftslebens) geÀußert
werden darf. Ist das nicht kulturellem Imperialismus, wenn es ÃŒber
Sprachgrenzen hinweg angewendet wird, und widerspricht es dann nicht dem
Ansatz "Local OSM community first"? Schließt es nicht Leute aus, deren
Englisch nicht perfekt ist?

Ein Code of Conduct kommt jedoch auch mit einer politischen Botschaft.
Reichlich Code-of-Conduct-VorkÀmpfer sind der Meinung, dass sich ein
Code of Conduct auch auf das öffentlich sichtbare Leben außerhalb von
OSM erstrecke (z.B. ein Benutzerkonto in einem sozialen Netzwerk),
selbst wenn es nicht explizit im Code of Conduct steht. Dagegen ist ein
offizielles Statement zu Uploadfiltern vernachlÀssigbar.


Ich möchte euch alle daher ausdrÌcklich bitten, Mitglied in der OSMF zu
werden. Am 15. Dezember findet die nÀchste Mitgliederversammlung der
OSMF statt. Neben den ÃŒblichen Vorstandswahlen (zwei von sieben Sitzen)
wird es möglicherweise auch einen kontroversen Antrag aus dem Kreis der
Mitglieder geben, der das Mapping unmittelbar betrifft.

Wahlberechtigt ist, wer bis zum 15. November 2018 Mitglied geworden ist.
Auf [url]https://join.osmfoundation.org/[/url] könnt ihr die
Mitgliedschaft abschließen. Sie kostet 15 britische Pfund (ca. 17 Euro)
pro Jahr. Es handelt sich dabei nicht um ein Abonnement. Sie lÀuft nur
ein Jahr und muss dann durch erneuert werden. Daran werdet ihr per Mail
erinnert.

Ihr habt die Wahl normales oder assoziiertes Mitglied zu sein. Normale
Mitglieder sind vollwertige Mitglieder entsprechend des britischen
Rechts und dÌrfen auch Ìber SatzungsÀnderungen abstimmen. Das britische
Recht erlaubt es jedoch jedem, von der OSMF eine Liste aller normalen
Mitglieder samt deren Anschrift zu verlangen. Wer das nicht möchte, kann
assoziiertes Mitglied werden.

Der Mitgliedsbeitrag kann per Paypal und SEPA-BankÃŒberweisung bezahlt
werden. Falls ihr letzteres tut, mÃŒsst ihr das Formular auf
[url]https://join.osmfoundation.org/alternative-payment-options/[/url]
ausfÃŒllen. Denn die Barclays Bank, bei der die OSMF ist, teilt dem
Finanzvorstand nur die ersten 16 Zeichen des Verwendungszwecks mit. FÃŒr
die automatische Verarbeitung der Mitgliedsbeitragszahlungen ist es
erforderlich, dass der Verwendungszweck mit "Membership <Name>" lautet.

Viele GrÌße

Michael Reichert


[1] Zwar bin ich in der Geofabrik angestellt, aber OSM ist auch immer
noch mein Hobby und war es auch schon lange vor der Aufnahme meiner
ErwerbstÀtigkeit dort.
[2] [url]http://osmstats.neis-one.org/?item=countries[/url]
[3] [url]https://lists.openstreetmap.org/pipermail/hot/[/url], zufÀllig
herausgegriffen:
[url]https://lists.openstreetmap.org/pipermail/hot/2017-November/013942.html[/url]
[url]https://lists.openstreetmap.org/pipermail/hot/2018-July/014437.html[/url]
[url]https://forum.openstreetmap.org/viewtopic.php?id=64172[/url]
[4]
[url]https://www.reddit.com/r/openstreetmap/comments/9qbhi7/who_to_follow_on_twitter/e8948zw/[/url]
[5]
[url]https://lists.openstreetmap.org/pipermail/talk-de/2018-October/115428.html[/url]
[url]https://forum.openstreetmap.org/viewtopic.php?pid=721554#p721554[/url]
[6] heftige Beispiele gibt es bei mir auf Anfrage
[7] Es steht nicht in der Mail, aber ZÃŒrich war gemeint. Die originale
Mail ist im öffentlichen Archiv unter
[url]https://lists.openstreetmap.org/pipermail/osmf-talk/2017-December/004596.html[/url]
zu finden.
Manfred A. Reiter
2018-10-31 09:52:09 UTC
Permalink
Ich habe manchmal unterschiedliche Hüte auf dem Kopf.
Aus der Sicht von OpenSaar kann ich das Anliegen von Michael nur MASSIV
unterstützen!

Bitte werdet Mitglied bei der OSMF!



Am Di., 30. Okt. 2018 um 22:33 Uhr schrieb Michael Reichert <
Post by Michael Reichert
Crossposting zu https://forum.openstreetmap.org/viewtopic.php?id=64288
TL;DR Bitte werdet Mitglied in der OSM Foundation, bevor die OSM
Foundation von einer Beschützungs- und Rechtehaltungsorganisation für
OSM zu einer Interessenvertretung amerikanischer Firmen und HOT wird. Am
Ende der Mail steht, wie man Mitglied wird. Es kostet 15 Britische Pfund
und ist kein Abo.
Liebe Mitmapper/innen und OSM-Interessierte,
ich bin seit sieben Jahren bei OSM aktiv und seit zwei Jahren
OSMF-Mitglied, weil ich mitbestimmen möchte, was mit dem passiert, in
das ich viel Zeit gesteckt habe. Da sich die gelebte Praxis in der OSMF
jedoch immer mehr von meinen Vorstellungen als Craftmapper entfernt,
möchte ich euch bitten, ebenfalls Mitglied in der Foundation zu werden
und dafür zu sorgen, dass die Interessen der Craftmapper ausreichend
stark vertreten sind.
Die OSMF gerät immer mehr in den Einfluss kommerzieller,
US-amerikanischer Interessen. Von den sieben Vorständen stehen vier dem
US-amerikanischen Big Business nahe und ein Fünfter, mein Vorgesetzter,
verdient auch sein Geld mit OSM [1]. Zwar kommen knapp 40 Prozent der
Mitglieder aus den USA und Kanada, 48 Prozent aus Europa, wovon aber
mancher amerikanische/kommerzielle Interessen vertritt bzw. für sie
eintritt. Dieses Verhältnis entspricht aber nicht dem Verhältnis der
Beiträge zu OSM. [2]
Die Interessen dieser Gruppen an Amerikanern weichen in vielen
grundsätzlichen Fragen deutlich von den Interessen der freiwilligen
(v.a. in Europa ansässigen) Craftmapper ab, die OSM aufgebaut und groß
gemacht haben, ab. Die Amerikaner, die sich intensiv in der OSMF
engagieren, sind auf Seiten US-amerikanischer Firmen und HOT US Inc.
Dank der Mitgliedsbeiträge der Firmenmitgliedschaften brauchen wir zwar
keine jährlichen Spendenaufrufe mehr, machen uns aber abhängig. Aufgrund
dieser Nähe zu Firmen mangelt es der OSMF und ihrem Vorstand an der
nötigen Distanz im Umgang mit diesen Firmen. Daher sollten wenigstens
die Mitglieder als Korrektiv agieren können und schlechte Beschlüsse
während der Diskussion im Vorfeld deutlich und mehrstimmig kritisieren
und, falls es soweit kommt, bei einem Mitgliederentscheid ablehnen können.
(1) Ich mache mit, weil ich die Sache gut finde und etwas zurückgeben
möchte. Den Unternehmen geht es um ihr Geschäft – das liegt ja in ihrer
Natur. Sie sehen in OSM eine Datenbank, in die man seine Daten kippen
kann, weniger eine Community, die eine Datenbank pflegt. Bots bzw.
automatische Datenerfassung im Allgemeinen ist für diese Firmen das
heiße Ding. Leider sind viele Firmen zu Beginn mit Qualitätsmängeln
aufgefallen. Qualitativ gutes Mapping wird erst geleistet, wenn Druck
gemacht wird und Sperren drohen.
Der Vorstand hat vor gut einem Jahr die Data Working Group beauftragt,
eine Richtlinie dafür auszuarbeiten. Die DWG hat dazu im Herbst letzten
Jahres eine Community-Umfrage durchgeführt und basierend auf den
Ergebnissen einen Richtlinienentwurf verfasst. Dieser wurde
anschließend auf der Mailingliste OSMF-Talk von einem Chor an
HOT-Aktivisten und Vertretern amerikanischer Geschäftsinteressen,
kaputtkritisiert. HOT wäre von der Richtlinie nämlich auch betroffen.
Das Archiv der HOT-Mailingliste ist reich an Beschwerden über
qualitative Mängel von HOT-Mappingaktionen. [3]
Anstatt der DWG den Rücken zu stärken, hat der Vorstand nichts getan.
Ein neuen Entwurf der DWG liegt mittlerweile vor. Es ist nur noch
Empfehlung. Keine seiner Regel ist verbindlich und stellt Interessen der
Firmen über die Interessen der freiwilligen Craftmapper. Ob selbst
dieser weichgespülte Entwurf vom Vorstand beschlossen wird, ist fraglich!
Die Richtlinienentwürfe (einschließlich der deutschen Übersetzungen) und
die Umfrage sind unter
[url]https://wiki.openstreetmap.org/wiki/DE:Directed_Editing_Policy[/url]
verlinkt.
(2) Die zu große Nähe zu Firmen führt dazu, dass Firmen Rechte
eingeräumt werdern, die sie nicht haben sollten. Wenn eine Firma gewisse
Dinge über ihre Mappingaktivität geheim halten möchte, wird ihr das
gestattet. Apple durfte auf der letzten State of the Map in Mailand
einen Vortrag halten, der nicht aufgezeichnet wurde.
Wer Firmen, die OSM nutzen oder gar selber mappen (lassen), kritisiert,
wird für die Kritik kritisiert, selbst wenn ihre Nutzung oder ihre
Beiträge für OSM kein Gewinn sind, z.B. eine Vearmung der
Software-Vielfalt, Aufmerksamkeits-Trittbrettfahrer, kontroverse
Datenimporte. (Beispiel siehe [4])
(3) Es ist im Sinne der Firmen, mit einer OSMF zu interagieren, die
"professionell" ist. Was der Chef sagt, wird gemacht. OSM ist zum Glück
noch weit davon entfernt. Wenn aber oft genug genügend viele Leute ohne
großen Widerspruch "OSM sollte (einen) Führer haben" rufen, glauben das
irgendwann auch alle – v.a. die Außenstehenden.
Eine professionelle OSMF macht zwar Mappingvorschriften, was mancher von
euch begrüßen würde, aber sie nimmt der Basis die Freiheit, Nein zu
sagen. Wenn Vorschriften gemacht werden, sollte das von der Basis
ausgehen (also ähnlich wie Frederiks Vorschlag neulich bzgl. des
Verklebens von Flächen) [5].
Der Einsatz hauptamtlicher (bezahlter) Arbeitskräfte anstelle
Freiwilliger für die Aufgaben in der OSMF muss nicht per se schlecht
sein. Mit bezahlten Kräften kann man mehr erreichen, beispielsweise eine
aktivere Öffentlichkeitsarbeit. Das kann aber auch nach hinten losgehen
und dazu führen, dass Craftmapping verschwiegen bzw. als veraltet
dargestellt wird und die Öffentlichkeitsarbeit bloß noch humanitäres
Mapping erwähnt, weil sich das besser verkauft.
Das Einstellen weiterer Arbeitskräfte ist absehbar. Der Vorstand, der
derzeit durch Untätigkeit auffällt, wird das von ihm entworfene
Fördermittelprogramm nicht in seiner Freizeit verwalten können und dafür
jemanden bezahlen.
(4) Die kommerziell motivierten Amerikaner und Anhänger des
HOT-Projekts streben danach, im OpenStreetMap-Projekt einen Code of
Conduct für die digitale Kommunikation im Projekt einzuführen. Ich
denke, dass Verhaltensregeln im Grunde kein Teufelszeug sind. Die
Mailinglisten-, Wiki- und Forenmoderatoren sowie die DWG wenden jetzt
schon Regeln an, nur sind diese nicht schriftlich fixiert. [6]
Ein Code of Conduct wird von seinen Befürwortern dogmatisch verteidigt.
Es sei heutzutage üblich, einen zu haben. Ein amerikanischer
Code-of-Conduct-Befürworter schrieb letztes Jahr auf der Mailingliste
OSMF-Talk, dass er Frauen abrate, in der Stadt, in der er wohne, den
OSM-Stammtisch zu besuchen. Dieser Stammtisch habe keinen Code of
Conduct habe und sie seien dort deshalb nicht. [7] Ich habe die
Diskussion über einen Code of Conduct, die im November/Dezember 2018
stattfand, unter
[url]
https://blog.openstreetmap.de/blog/2017/12/die-code-of-conduct-diskussion/[/url]
zusammengefasst. Momentan ruht die Sache, denn es mangelt noch an einer
deutlichen Mehrheit im Vorstand.
Viele Projekte verwenden auf vorgefertigte Code of Conducts. Manche
davon schreiben vor, dass Kritik nur "professionell" (lies: entsprechend
der Gepflogenheiten des US-amerikanischen Geschäftslebens) geäußert
werden darf. Ist das nicht kulturellem Imperialismus, wenn es über
Sprachgrenzen hinweg angewendet wird, und widerspricht es dann nicht dem
Ansatz "Local OSM community first"? Schließt es nicht Leute aus, deren
Englisch nicht perfekt ist?
Ein Code of Conduct kommt jedoch auch mit einer politischen Botschaft.
Reichlich Code-of-Conduct-Vorkämpfer sind der Meinung, dass sich ein
Code of Conduct auch auf das öffentlich sichtbare Leben außerhalb von
OSM erstrecke (z.B. ein Benutzerkonto in einem sozialen Netzwerk),
selbst wenn es nicht explizit im Code of Conduct steht. Dagegen ist ein
offizielles Statement zu Uploadfiltern vernachlässigbar.
Ich möchte euch alle daher ausdrücklich bitten, Mitglied in der OSMF zu
werden. Am 15. Dezember findet die nächste Mitgliederversammlung der
OSMF statt. Neben den üblichen Vorstandswahlen (zwei von sieben Sitzen)
wird es möglicherweise auch einen kontroversen Antrag aus dem Kreis der
Mitglieder geben, der das Mapping unmittelbar betrifft.
Wahlberechtigt ist, wer bis zum 15. November 2018 Mitglied geworden ist.
Auf [url]https://join.osmfoundation.org/[/url] könnt ihr die
Mitgliedschaft abschließen. Sie kostet 15 britische Pfund (ca. 17 Euro)
pro Jahr. Es handelt sich dabei nicht um ein Abonnement. Sie läuft nur
ein Jahr und muss dann durch erneuert werden. Daran werdet ihr per Mail
erinnert.
Ihr habt die Wahl normales oder assoziiertes Mitglied zu sein. Normale
Mitglieder sind vollwertige Mitglieder entsprechend des britischen
Rechts und dürfen auch über Satzungsänderungen abstimmen. Das britische
Recht erlaubt es jedoch jedem, von der OSMF eine Liste aller normalen
Mitglieder samt deren Anschrift zu verlangen. Wer das nicht möchte, kann
assoziiertes Mitglied werden.
Der Mitgliedsbeitrag kann per Paypal und SEPA-Banküberweisung bezahlt
werden. Falls ihr letzteres tut, müsst ihr das Formular auf
[url]https://join.osmfoundation.org/alternative-payment-options/[/url]
ausfüllen. Denn die Barclays Bank, bei der die OSMF ist, teilt dem
Finanzvorstand nur die ersten 16 Zeichen des Verwendungszwecks mit. Für
die automatische Verarbeitung der Mitgliedsbeitragszahlungen ist es
erforderlich, dass der Verwendungszweck mit "Membership <Name>" lautet.
Viele Grüße
Michael Reichert
[1] Zwar bin ich in der Geofabrik angestellt, aber OSM ist auch immer
noch mein Hobby und war es auch schon lange vor der Aufnahme meiner
Erwerbstätigkeit dort.
[2] [url]http://osmstats.neis-one.org/?item=countries[/url]
[3] [url]https://lists.openstreetmap.org/pipermail/hot/[/url], zufällig
[url]
https://lists.openstreetmap.org/pipermail/hot/2017-November/013942.html[/url]
[url]
https://lists.openstreetmap.org/pipermail/hot/2018-July/014437.html[/url]
[url]https://forum.openstreetmap.org/viewtopic.php?id=64172[/url]
[4]
[url]
https://www.reddit.com/r/openstreetmap/comments/9qbhi7/who_to_follow_on_twitter/e8948zw/[/url]
[5]
[url]
https://lists.openstreetmap.org/pipermail/talk-de/2018-October/115428.html[/url]
[url]
https://forum.openstreetmap.org/viewtopic.php?pid=721554#p721554[/url]
[6] heftige Beispiele gibt es bei mir auf Anfrage
[7] Es steht nicht in der Mail, aber Zürich war gemeint. Die originale
Mail ist im öffentlichen Archiv unter
[url]
https://lists.openstreetmap.org/pipermail/osmf-talk/2017-December/004596.html[/url]
zu finden.
_______________________________________________
Talk-de mailing list
https://lists.openstreetmap.org/listinfo/talk-de
--
## Manfred Reiter - -
## www.weeklyOSM.eu
Martin Koppenhoefer
2018-10-31 10:02:56 UTC
Permalink
Am Mi., 31. Okt. 2018 um 10:54 Uhr schrieb Manfred A. Reiter <
Post by Manfred A. Reiter
Ich habe manchmal unterschiedliche Hüte auf dem Kopf.
Aus der Sicht von OpenSaar kann ich das Anliegen von Michael nur MASSIV
unterstützen!
Bitte werdet Mitglied bei der OSMF!
+1, vielen Dank Michael, Du sprichst mir weitestgehend aus dem Herzen.
Bitte rennt der OSMF die Türen ein!

Gruß,
Martin
Ludwig Baumgart
2018-10-31 14:04:14 UTC
Permalink
auch für meine konkrete Kleinarbeit in Büsingen (D/CH) zum Thema
Dorfkarten halte ich dies für sehr sehr wichtig. Also: Haltung zeigen,
Mitglied werden, Haltung zeigen! -----Ich bin soeben Mitglied geworden.

Danke für Deinen Einsatz, Michael!

Ludwig
Post by Michael Reichert
TL;DR Bitte werdet Mitglied in der OSM Foundation, bevor die OSM
Foundation von einer Beschützungs- und Rechtehaltungsorganisation für
OSM zu einer Interessenvertretung amerikanischer Firmen und HOT wird. Am
Ende der Mail steht, wie man Mitglied wird. Es kostet 15 Britische Pfund
und ist kein Abo.
Rory McCann
2018-11-01 12:10:00 UTC
Permalink
Hallo,

Michael hat recht. Bitte werdet Mitglied in der OSMF.

Ich bin ein Mailinglistenmoderator für diversity-talk@, es hat ein Code
of Conduct¹. Und ich habe eine paar Kommentare. (Diese ist ein
Mailinglist 😉 )
Post by Michael Reichert
Viele Projekte verwenden auf vorgefertigte Code of Conducts. Manche
davon schreiben vor, dass Kritik nur "professionell"
Die diversity-talk@ CoC sagt das nicht! Es sagt "The diversity-talk
moderators reserves the right not to act on complaints regarding:
Communicating in a ‘tone’ you don’t find congenial" ( "Die
Diversity-Talk-Moderatoren behalten sich das Recht vor, nicht auf
Beschwerden zu reagieren: In einem "Tonfall" zu kommunizieren, bedeutet
nicht, dass man Kongenia findet." Es gibt keine Anforderung,
"professionell" zu sein.
Post by Michael Reichert
Ein Code of Conduct kommt jedoch auch mit einer politischen Botschaft.
Ja! OSM ist eine politische Projekt.
Post by Michael Reichert
Reichlich Code-of-Conduct-Vorkämpfer sind der Meinung, dass sich ein
Code of Conduct auch auf das öffentlich sichtbare Leben außerhalb
von OSM erstrecke (z.B. ein Benutzerkonto in einem sozialen
Netzwerk), selbst wenn es nicht explizit im Code of Conduct steht.
Es ist mehr als eine Meinung, es ist explizit:

"The abuse team reserves the right to exclude people from the
diversity-talk mailing list based on their past behavior, including
behavior outside the diversity-talk mailing list and behavior towards
people who are not on the diversity-talk mailing list."

"Das Missbrauchsteam behält sich das Recht vor, Personen aufgrund ihres
bisherigen Verhaltens von der Diversity-Talk-Mailingliste
auszuschließen, einschließlich des Verhaltens außerhalb der
Diversity-Talk-Mailingliste und des Verhaltens gegenüber Personen, die
nicht auf der Diversity-Talk-Mailingliste sind."

Nicht alle CoC sind schlect, oder wie die Ubuntu/HOT-CoC.

Bitte werdet Mitglied in der OSMF.

[1] https://wiki.openstreetmap.org/wiki/Diversity/MailingList/CodeOfConduct
--
Rory
Christoph Hormann
2018-11-01 13:56:06 UTC
Permalink
Post by Rory McCann
[...]
Nicht alle CoC sind schlect, oder wie die Ubuntu/HOT-CoC.
Das ist auch nicht das was Michael gesagt hat, insbesondere wenn er
schreibt "Ich denke, dass Verhaltensregeln im Grunde kein Teufelszeug
sind".

Das Problem mit vielen CoC-Fanatikern ist, dass sie sich jeglicher
grundsätzlichen sachlichen Diskussion um das Thema verschließen und
einfach das Dogma "es muss einen universellen CoC geben, dem sich alle
im OSM-Projekt überall unterwerfen müssen" vor sich hertragen. Das
kann man in vielen Diskussionen auf osmf-talk und anderswo demonstriert
finden. Das ist im Grunde nicht nur kulturell imperialistisch, sondern
hat auch klar Züge von religiösem Fanatismus und Faschismus.

Und das Ganze ist natürlich besonders bedenklich, wenn es einfach ganz
opportunistisch als Mittel zum Zweck dient, gewisse wirtschaftliche
Interessen durchzusetzen.

Verschiedene Kommunikationskanäle in verschiedenen Sprachen mit
verschiedenen expliziten oder impliziten Verhaltensregeln zu haben ist
denke ich etwas, das zu einem vielfältigen und offenen globalen Projekt
wie OSM dazugehört. Und da ist für mich diversity-talk mit den von Dir
gewählten Regeln ausdrücklich eingeschlossen.

Wie auch immer - werdet Mitglied in der OSM Foundation ungeachtet der
Frage, wie Ihr zu den einzelnen Punkten steht, die Michael in seinem
Text anführt. Das Ziel ist nicht, eine Mitglieder-Struktur
herbeizuführen, die am Ende homogen eine bestimmte Meinung zu den
Themen der OSMF vertritt, sondern Leute als Mitglieder zu haben, die
halbwegs repräsentativ die Interessen der aktiven lokalen Mapper und
die Werte des Projektes vertreten.
--
Christoph Hormann
http://www.imagico.de/
Stefan Kaufmann
2018-11-01 21:46:32 UTC
Permalink
Post by Christoph Hormann
Das Problem mit vielen CoC-Fanatikern ist, dass sie sich jeglicher
grundsätzlichen sachlichen Diskussion um das Thema verschließen und
einfach das Dogma "es muss einen universellen CoC geben, dem sich alle
im OSM-Projekt überall unterwerfen müssen" vor sich hertragen. Das
kann man in vielen Diskussionen auf osmf-talk und anderswo demonstriert
finden. Das ist im Grunde nicht nur kulturell imperialistisch, sondern
hat auch klar Züge von religiösem Fanatismus und Faschismus.
Also dieser Interpretation moechte mich angesichts real existierendem
Faschismus und seinen real existierenden Auswirkungen dann doch sehr
entschieden entgegenstellen. Alleine schon wenn man sich die damit
verbundenen Machtmechanismen ansieht, finde ich diese Gleichsetzung
brandgefaehrlich.

Man darf sich bei den Debatten immer gerne vor Augen fuehren, wie die
real existierenden Machtstrukturen aussehen.

regards,
-stk
Christoph Hormann
2018-11-01 22:48:15 UTC
Permalink
Post by Stefan Kaufmann
Post by Christoph Hormann
Das Problem mit vielen CoC-Fanatikern ist, dass sie sich jeglicher
grundsätzlichen sachlichen Diskussion um das Thema verschließen und
einfach das Dogma "es muss einen universellen CoC geben, dem sich
alle im OSM-Projekt überall unterwerfen müssen" vor sich hertragen.
Das kann man in vielen Diskussionen auf osmf-talk und anderswo
demonstriert finden. Das ist im Grunde nicht nur kulturell
imperialistisch, sondern hat auch klar Züge von religiösem
Fanatismus und Faschismus.
Also dieser Interpretation moechte mich angesichts real existierendem
Faschismus und seinen real existierenden Auswirkungen dann doch sehr
entschieden entgegenstellen. [...]
Jeder kann das natürlich sehen wie er möchte - mich überzeugen würde
jedoch nur ein inhaltiches Argument, welches die Existenz gemeinsamer
Züge widerlegt.

Die faschistischen Züge, die ich hier sehe, sind vor allem der
totalitäre Anspruch und das dichotome Menschenbild - meist in Form
einer Klassifikation von Menschen entweder als privilegiert oder
marginalisiert, als Täter oder als Opfer mit unterschiedlichen
grundsätzlichen Rechten. Es geht mir hier nicht um den Begriff,
sondern um die Merkmale, die dahinter stehen. Vergleichen ist nicht
das selbe wie gleich setzen.

Und um das nochmal zu betonen - diese Beobachtung trifft nicht generell
auf alle Ideen von Verhaltensregulierung zu. Eine offene Diskussion
zur Frage von Verhaltens-Regeln und ihrer praktischen Ausgestaltung,
die sich den praktischen und moralischen Herausforderungen in einem
globalen und kulturell vielfältigen Projekt wie OpenStreetMap stellt,
finde ich generell sehr interessant.
--
Christoph Hormann
http://www.imagico.de/
Stefan Kaufmann
2018-11-03 18:03:00 UTC
Permalink
Post by Christoph Hormann
Post by Stefan Kaufmann
Also dieser Interpretation moechte mich angesichts real existierendem
Faschismus und seinen real existierenden Auswirkungen dann doch sehr
entschieden entgegenstellen. [...]
Jeder kann das natürlich sehen wie er möchte - mich überzeugen würde
jedoch nur ein inhaltiches Argument, welches die Existenz gemeinsamer
Züge widerlegt.
So funktioniert das nicht, Christoph. Wir leben in einer Zeit weltweit
erstarkenden Nationalismus, in der sich selbst angesichts der sehr
diffusen Faschismus-Begrifflichkeit dann doch recht gute Parallelen
ziehen lassen: Die vermeintliche „Rueckbesinnung“ auf die jeweilige
Volksgemeinschaft, die es abzugrenzen gilt, wobei dann auch
Schiessbefehle an Grenzen und die Internierung der „Fremden“ in Lagern
auf einmal nicht nur denk- sondern auch relativ konsequenzfrei sagbar
werden, etc. etc.

Natuerlich steht es dir frei, die Menschen, die einen CoC befuerworten,
in ihrer Argumentation fuer strukturell aehnlich zu befinden. Du musst
dann halt in Kauf nehmen, dass man dich angesichts dieser
Meinungsaeusserung vielleicht nicht so ganz ernst nimmt.
Post by Christoph Hormann
Die faschistischen Züge, die ich hier sehe, sind vor allem der
totalitäre Anspruch und das dichotome Menschenbild - meist in Form
einer Klassifikation von Menschen entweder als privilegiert oder
marginalisiert, als Täter oder als Opfer mit unterschiedlichen
grundsätzlichen Rechten. Es geht mir hier nicht um den Begriff,
sondern um die Merkmale, die dahinter stehen. Vergleichen ist nicht
das selbe wie gleich setzen.
Dann beziehst du in diesen Vergleich aber ueberhaupt nicht die Rolle
struktureller Machtverhaeltnisse mit ein. Typische faschistische
Elemente waeren zB die Herstellung einer um ein Fuehrerprinzip
militaerisch/hierarchisch organisierten National- und Volksgemeinschaft,
die einen Hegemonialanspruch gegenueber anderen Nationen oder „Voelkern“
geltend machen will.

Bei CoCs geht es vielfach ganz im Gegenteil darum, Machtverhaeltnisse zu
dekonstruieren und im Zweifel ueberhaupt erstmal sichtbar zu machen und
zu benennen. Es geht nicht darum, eine homogene Gemeinschaft zu bilden,
die besser als „die anderen“ sei, sondern innerhalb der Gemeinschaft zu
analysieren, wer zu Macht kommt, sich Macht greift und ggf. auf welche
Weise Macht verteidigt.
Die Arbeitshypothese ist, dass innerhalb von Gemeinschaften vielleicht
einige (in der Regel diejenigen, die nicht negativ von
Machtungleichgewichten betroffen sind) der Ansicht sind, dass alle
Beteiligten die gleichen Rechte haben – sich de facto aber nur bestimmte
Gruppen auch die Durchsetzung dieser Rechte sichern.

Ich bin dieser Diskussionen im keine-Ahnung-wievielten-Jahr offen
gestanden ein wenig ueberdruessig. Ich habe das frueher sehr gerne
diskutiert, mittlerweile finde ich es aber etwas ermuedend, dieselben
Debatten immer wieder mit Leuten zu fuehren, die einem als allererstes
gleich mal faschistoides Verhalten unterstellen. Ich hoffe, dass mein
entnervtes Augenrollen dabei im Zweifel als „ohgott nicht _schon_
wieder, muss ich das jetzt _nochmal_ aufrollen“ interpretiert wird,
anstatt als Ausdruck totalitaeren Anspruchs.

regards,
-stk

PS: Wer der Ansicht ist, Gruppen mit CoCs wuerden einem faschistoiden
Fuehrerprinzip folgen, hat vermutlich noch nie in einem Plenum diskutiert ;)
Richard
2018-11-03 19:42:41 UTC
Permalink
Post by Stefan Kaufmann
Post by Christoph Hormann
Post by Stefan Kaufmann
Also dieser Interpretation moechte mich angesichts real existierendem
Faschismus und seinen real existierenden Auswirkungen dann doch sehr
entschieden entgegenstellen. [...]
Jeder kann das natürlich sehen wie er möchte - mich überzeugen würde
jedoch nur ein inhaltiches Argument, welches die Existenz gemeinsamer
Züge widerlegt.
So funktioniert das nicht, Christoph. Wir leben in einer Zeit weltweit
erstarkenden Nationalismus, in der sich selbst angesichts der sehr
diffusen Faschismus-Begrifflichkeit dann doch recht gute Parallelen
ziehen lassen: Die vermeintliche „Rueckbesinnung“ auf die jeweilige
Volksgemeinschaft, die es abzugrenzen gilt, wobei dann auch
Schiessbefehle an Grenzen und die Internierung der „Fremden“ in Lagern
auf einmal nicht nur denk- sondern auch relativ konsequenzfrei sagbar
werden, etc. etc.
Hier zählen die Taten: gemappte Punkte, Wege und bearbeitete Wikiseiten.

Allenfalls bei name:lang kann man über ideologische Befindlichkeiten
diskutieren.

...
...
...
Post by Stefan Kaufmann
Dann beziehst du in diesen Vergleich aber ueberhaupt nicht die Rolle
struktureller Machtverhaeltnisse mit ein. Typische faschistische
Elemente waeren zB die Herstellung einer um ein Fuehrerprinzip
militaerisch/hierarchisch organisierten National- und Volksgemeinschaft,
die einen Hegemonialanspruch gegenueber anderen Nationen oder „Voelkern“
geltend machen will.
reichlich weit hergeholt, das hier ist nicht die OSM-ideologie Liste, Du
kannst aber gerne eine aufmachen.
Zu Deinem Argument - Du schreibst selber "waren". Vergangene Scheingefechte,
wir haben auch sonst genug Probleme.
Post by Stefan Kaufmann
Bei CoCs geht es vielfach ganz im Gegenteil darum, Machtverhaeltnisse zu
dekonstruieren und im Zweifel ueberhaupt erstmal sichtbar zu machen und
zu benennen. Es geht nicht darum, eine homogene Gemeinschaft zu bilden,
die besser als „die anderen“ sei, sondern innerhalb der Gemeinschaft zu
analysieren, wer zu Macht kommt, sich Macht greift und ggf. auf welche
Weise Macht verteidigt.
Die Arbeitshypothese ist, dass innerhalb von Gemeinschaften vielleicht
einige (in der Regel diejenigen, die nicht negativ von
Machtungleichgewichten betroffen sind) der Ansicht sind, dass alle
Beteiligten die gleichen Rechte haben – sich de facto aber nur bestimmte
Gruppen auch die Durchsetzung dieser Rechte sichern.
Reichlich kompliziert - glaubst Du im Ernst, daß das jemand lesen will?
Am allerwenigsten irgendwelche unbelehrbaren Trolle und ideologischen
Streithänsel.

Wo es keine Vernunft gibt bringt auch ein CoC nichts.

Richard
Christoph Hormann
2018-11-03 20:09:48 UTC
Permalink
Post by Richard
Post by Stefan Kaufmann
Die Arbeitshypothese ist, dass innerhalb von Gemeinschaften
vielleicht einige (in der Regel diejenigen, die nicht negativ von
Machtungleichgewichten betroffen sind) der Ansicht sind, dass alle
Beteiligten die gleichen Rechte haben – sich de facto aber nur
bestimmte Gruppen auch die Durchsetzung dieser Rechte sichern.
Reichlich kompliziert - glaubst Du im Ernst, daß das jemand lesen
will? Am allerwenigsten irgendwelche unbelehrbaren Trolle und
ideologischen Streithänsel.
Na-na-na, Stefan darf hier gerne seine Sichtweise auf das Thema
darlegen - egal wie kompliziert oder weit hergeholt diese ist und auch
wenn da vielleicht die Sachargumente gegenüber Vorwürfen und
Frustration ein bisschen kurz kommen.

Eine große Bandbreite von Sichtweisen ist - auch wenn manchmal
anstrengend - grundsätzlich erst einmal eine Bereicherung.
--
Christoph Hormann
http://www.imagico.de/
Martin Koppenhoefer
2018-11-03 22:27:56 UTC
Permalink
sent from a phone
Post by Stefan Kaufmann
Typische faschistische
Elemente waeren zB die Herstellung einer um ein Fuehrerprinzip
militaerisch/hierarchisch organisierten National- und Volksgemeinschaft,
die einen Hegemonialanspruch gegenueber anderen Nationen oder „Voelkern“
geltend machen will.
Bei CoCs geht es vielfach ganz im Gegenteil darum, Machtverhaeltnisse zu
dekonstruieren und im Zweifel ueberhaupt erstmal sichtbar zu machen und
zu benennen.
das ist die Behauptung der Befürworter, denen ich zumeist auch gute Absichten unterstellen würde, demgegenüber stehen aber Bedenken und vereinzelt auch zumindest so behauptete bzw. empfundene Erlebnisse von Leuten, die die Erfahrung gemacht haben, dass ein CoC dazu genutzt wurde, unliebsame Kritiker ruhig zu stellen (z.B. bei HOT, behauptet für teilweise dieselben Personen, die jetzt im OSMF Vostand sind).

Ich habe ebenfalls Bedenken hinsichtlich des Kultur-Imperialismus, dass man bestimmte angelsächsische Gepflogenheiten/Umgangston zur verbindlichen weltweiten Norm erklärt. Und ich sehe keinen Bedarf, außer vielleicht in der Richtung, aus der auch die Hauptverfechter eines CoC kommen, da fliegen gelegentlich die Fetzen ;-)
Stefan Kaufmann
2018-11-04 19:21:00 UTC
Permalink
Post by Martin Koppenhoefer
das ist die Behauptung der Befürworter, denen ich zumeist auch gute Absichten unterstellen würde, demgegenüber stehen aber Bedenken und vereinzelt auch zumindest so behauptete bzw. empfundene Erlebnisse von Leuten, die die Erfahrung gemacht haben, dass ein CoC dazu genutzt wurde, unliebsame Kritiker ruhig zu stellen (z.B. bei HOT, behauptet für teilweise dieselben Personen, die jetzt im OSMF Vostand sind).
Das ist dann letztlich eine Frage der Rechtsgueterabwaegung. Negative
Erlebnisse gibt es sowohl mit als auch ohne CoC. Der These, dass man
_ohne_ einen CoC KritikerInnen nicht auch ruhig stellen koenne,
schliesse ich mich zB nicht an – mit CoC sind dann wenigstens Regeln und
Prozesse niedergeschrieben, die (hoffentlich) Governance-Mechanismen
unterliegen.
Post by Martin Koppenhoefer
Ich habe ebenfalls Bedenken hinsichtlich des Kultur-Imperialismus, dass man bestimmte angelsächsische Gepflogenheiten/Umgangston zur verbindlichen weltweiten Norm erklärt. Und ich sehe keinen Bedarf, außer vielleicht in der Richtung, aus der auch die Hauptverfechter eines CoC kommen, da fliegen gelegentlich die Fetzen ;-)
Naja, mir persoenlich ist es eigentlich egal, aus welchem Kulturraum das
kommt, und fuer mich ist es jetzt nicht unbedingt ein Argument fuer oder
gegen ein Organisationsprinzip, ob es jetzt aus einem bestimmten Land
kommt. Mir faellt es auch schwer, eine spezifisch deutsche Gegen-Kultur
zu benennen, die jetzt irgendwie zwangslaeufig antagonistisch zu CoCs
oder einzelnen typischen Regeln staende.

regards,
-stk

Mark Obrembalski
2018-11-02 08:38:58 UTC
Permalink
Post by Michael Reichert
Crossposting zu https://forum.openstreetmap.org/viewtopic.php?id=64288
TL;DR Bitte werdet Mitglied in der OSM Foundation,
Dazu mal eine Frage: Ich bin eigentlich schon (ordentliches) Mitglied
der OSMF, habe aber schon länger keinen Beitrag mehr gezahlt. Was muss
ich tun, um herauszufinden, was ich schuldig bin und wie zahle ich in
dem Fall?
Post by Michael Reichert
Anstatt der DWG den Rücken zu stärken, hat der Vorstand nichts getan.
Hat die DWG denn den Vorstand um Rückenstärkung oder sonst etwas gebeten?
Post by Michael Reichert
Ein neuen Entwurf der DWG liegt mittlerweile vor. Es ist nur noch
Empfehlung. Keine seiner Regel ist verbindlich und stellt Interessen der
Firmen über die Interessen der freiwilligen Craftmapper.
So wie ich das neueste Vorstandsprotokoll verstehe, findet die DWG, dass
es besser ist, Sanktionen nur nach tatsächlich problematischen
Bearbeitungen zu verhängen und die Einhaltung der Richtlinien halt nur
bei der Entscheidung zu berücksichtigen, ob man nun revertiert/sperrt
oder lieber noch mit dem Mapper zu reden. Wenn das die richtige
Interpretation ist, finde ich das auch angemessen - wir wollen ja wohl
kaum jemanden nur wegen Formfehlern rauswerfen oder revertieren, solange
inhaltlich alles in Ordnung ist.

Beste Grüße,
Mark
Christoph Hormann
2018-11-02 10:48:53 UTC
Permalink
Post by Mark Obrembalski
So wie ich das neueste Vorstandsprotokoll verstehe, findet die DWG,
dass es besser ist, Sanktionen nur nach tatsächlich problematischen
Bearbeitungen zu verhängen und die Einhaltung der Richtlinien halt
nur bei der Entscheidung zu berücksichtigen, ob man nun
revertiert/sperrt oder lieber noch mit dem Mapper zu reden. Wenn das
die richtige Interpretation ist, finde ich das auch angemessen - wir
wollen ja wohl kaum jemanden nur wegen Formfehlern rauswerfen oder
revertieren, solange inhaltlich alles in Ordnung ist.
Das Hauptproblem mit den neueren, 'weicheren' Entwürfen ist, dass vage,
völlig von der Interpretation abhängige Regelungen ganz grundsätzlich
völlig falsche Anreize schaffen, denn freundliche Leute, die bemüht
sind im Interesse von OpenStreetMap zu handeln und den Wünschen der
Mapper zu entsprechen werden benachteiligt, indem sie sich an eine
strikte Interpretation der Regeln halten und die eher rücksichtslosen
erhalten einen Wettbewerbsvorteil, wenn sie ihren Spielraum bis an die
Grenzen der möglichen Interpretation ausdehnen.

Die Sanktionsmöglichkeiten in allen Policy-Entwürfen beziehen sich nur
auf Sanktionen gegen Organisationen als Ganzes - einzelne Mapper aus
Organisationen unterliegen sowieso den ganz normalen Regeln für
Benutzer-Sperren. Die ursprüngliche Idee hinter diesen zusätzlichen
Sanktionsmöglichkeiten war, den Organisationen klar die Möglichkeit
eines Totalschadens für sie vor Augen zu führen (eine Verbannung der
gesamten Organisation vom Mappen in OSM) und so zu vermeiden, dass
diese permanent ihre Grenzen austesten (was ziemlich nervig wäre).
Eine solche Verbannung rein aufgrund von Verstößen gegen eine
subjektive Interpretation der Regeln ist jedoch nicht realistisch und
bei dem neuen weichen Entwurf objektiv gegen die Regeln zu verstoßen
ist praktisch ohne größere Einschränkungen für ein Unternehmen
vermeidbar.

Mehr Kommentare und Diskussion (auf Englisch) zu dem zweiten DWG-Entwurf
findet ihr unter:

https://lists.openstreetmap.org/pipermail/osmf-talk/2018-September/005299.html
https://www.openstreetmap.org/user/Stereo/diary/45132
--
Christoph Hormann
http://www.imagico.de/
Continue reading on narkive:
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